Trelew

von Achim

Heute geht es von Trelew per Flugzeug nach El Calafate. Wir haben uns diesmal gegen den Bus entschieden, weil 1400km doch eine ganz schöne Strecke sind und wir nach der letzten Nachtbus-Fahrt einfach total kaputt waren. Da merkt man dass wir keine waschechten Argentinier sind, die auch mal 30h am Stück im Bus sitzen (so lange dauert es z.B. von Puerto Madryn nach Mendoza).

Trelew ist nicht unbedingt die schönste Stadt. Schon ein paar Kilometer vor der Stadt sind die Ränder der Straßen mit Plastikmüll gesäumt. In der Stadt selbst scheint man auch nicht so viel von Mülleimern zu halten:

Hier bekommt man das globale Müllproblem sehr deutlich vor Augen geführt. In Deutschland ist es vemutlich auch nicht wirklich besser , wir räumen das nur schöner weg.

Im 20km entfernten Rawson, einer kleinen Stadt am Meer, haben wir sogar ein ganzes Schiff im Chubut-Fluss verrotten sehen:

Unverständlich, besonders wenn man bedenkt dass der Chubut Fluss die wichtigste (Trink-) Wasserquelle der Region ist.

In Trelew selbst gibt es, ausser einem Dinosaurier-Museum, nicht all zu viel zu machen. Wir sind tatsächlich nur wegen dem Flughafen hier. Auf dem Weg zum Hotel haben wir diese schöne Wandmalerei am Busdepot entdeckt:

Solche Wandmalereien gibt es in Argentinien sehr häufig, besonders an öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder auch an Bushaltestellen.

Diese Bilder verschönern nicht nur langweilige Wände, sondern sind teilweise auch sehr politisch:

Leider kennen wir die argentinische Geschichte nicht gut genug um alles zu verstehen.

Das geht:

  • Schöne Kunst mit Botschaft
  • Ein gutes Tiramisu - hat irgendwie immer noch Platz
  • Das leckere Eis in Argentinien

Das geht nicht:

  • Extra wegem dem Flughafen in Trelew übernachten und dann rausfinden dass der Bus nur aus Richtung Puerto Madryn dort hält - naja, lassen wir uns halt an der Abzweigung rausschmeissen und laufen den letzten Kilometer
  • Um 19:30 versuchen ein “schönes Restaurant” zu finden welches schon geöffnet hat
  • Übergewichtige Kinder im Supermarkt, die in einem Einkaufswagen voller Chips und Süßgetränke sitzen
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Punta Tombo

von Achim

Heute war unser letzter Tag in Puerto Madryn, den wir dazu genutzt haben die weltweit größte Kolonie von Magellan-Pinguinen zu besuchen. Über 500.000 Tiere leben dort, eine stattliche Zahl! Hier sagen sich Guanako und Pinguin “Guten Tag”:

Diese Pinguin-Kolonie ist riesig! Soweit das Auge reicht sind überall Pinguine und ihre Nester:

Hier wird ständig nachverdichtet, wie in einer richtigen Großstadt. Und auch dem Flächenfraß der Kolonie scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Die Tiere müssen teils recht lange Wege zum Wasser zurücklegen.

Man kann den Pinguinen sehr nahe kommen, weil es quasi fast keinen Weg um sie herum gibt:

Manche bauen ihr Nest direkt am Wegesrand. Den Schatten der Fußbrücken nutzen sie um sich auszuruhen:

Wir waren zu einer günstigen Zeit da, denn die Jungen der Pinguine sind erst vor Kurzem geschlüpft:

Das heisst, die Eltern müssen für ständigen Futternachschub der Kleinen sorgen. Deshalb herrscht am Strand reges Treiben. Ständig kommen und gehen Pinguine vom, bzw. ins Meer. Es geht fast zu wie in einem Bienenstock:

Diese Seevögel verlassen ihr Nest mit Partner und Nachwuchs für bis zu drei Tage, um Futter aus über 100km Entfernung im Meer zu beschaffen. Dabei tauchen sie bis zu 150m tief.

Während die Pinguine an Land ziemlich lustig durch die Gegend wackeln sind sie im Meer sehr agil. Es macht einfach tierisch Spaß ihnen zuzuschauen wie sie sich durchs Wasser bewegen oder von Felsen zu Felsen hüpfen um zu ihrem Ziel zu kommen. Wie Delphine nutzen auch sie die Kraft der Wellen und reiten gerne ein Stückchen mit:

Da möchte ich doch am liebsten gleich mitsurfen!

Das geht:

  • Pinguine so nahe beobachten können
  • Die Tauchfähigkeiten der kleinen Wasservögel
  • Vom Tourleiter viel über das Land, Politik und die Situation der Leute erfahren

Das geht nicht:

  • Mit Plastik vermüllte Landschaften
  • Flüsse als Schiffsfriedhof benutzen und die alten Schiffe einfach darin verrotten lassen
  • Stundenlanges Gehupe, nachdem eine Fußball-Mannschaft ein Spiel gewonnen hat
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Península Valdés

von Achim

Heute morgen hieß es früh aufstehen, da wir eine Tour auf der Península Valdés gebucht hatten. In einer angenehmen Gruppengröße von vier Personen ging es in einem amerikanischen Kleinwagen über Schotterstraßen nach Puerto Pirámides. Von dort aus startete unsere Wal-Beobachtung, der erste Punkt auf der Tagesordnung. Und es fing gleich richtig gut an:

In der Bucht der Halbinsel Valdés bekommen die Glattwale (Eubalaena) ihre Kinder und säugen sie. Der Ort ist wohl sehr geeignet da er relativ warm und geschützt vor rauem Seegang ist. Das heisst hier sind viele Mutterwale mit ihren Kindern unterwegs:

Wir hatten richtig Glück und haben gleich mehrere Wale gesehen. Das Erste Mutter-Kind-Paar hat durch Abdrehen signalisiert dass es sich durch die Gegenwart des Bootes gestört fühlt. Also ist das Boot weitergefahren und hat nach anderen Walen Ausschau gehalten, die sich durch das Boot nicht gestört gefühlt haben:

Dieser respektvolle Umgang mit den Tieren hat mir sehr gut gefallen. Besonders in dieser kritischen Phase, in der die Mutter ihr Kleines durchbringen muss.

Als nächstes haben wir in der Nähe einer Estancia (abgelegener Bauernhof mit einem Gaucho) diese Pampashasen/Maras gesehen:

Sehen irgendwie aus wie eine Mischung aus Reh und Hase. Seltsam.

Unser Fahrer wusste wo sich eine Eule aufhält. Ansonsten hätten wir diesen Meister der Tarnung wohl niemals am Wegesrand entdeckt:

Und ein paar Meter weiter, in einem Erdloch, saß der Nachwuchs und hat uns kritisch gemustert:

Danach hatten wir noch das große Glück dass wir diesen Darwin-Nandu gesehen haben. In der Sprache der Ureinwohner heisst dieser Laufvogel “Choique”. Mit fünf Kindern hat dieser Nandu-Papa die Flucht vor dem Auto ergriffen:

Die Kinder haben wir aber leider nicht vor die Linse bekommen. Die waren einfach zu schnell.

Nächster Halt war bei einer Kolonie von Magellan-Pinguinen. Die meisten von ihnen haben einen Mittagsschlaf gehalten, manche haben ihr (High-Tech-) Federkleid im Meer gesäubert, und andere haben einfach nur einen guten Tag am Meer gehabt:

Sie mögen ja sehr wackelig und ungeschickt an Land wirken. Aber wer die Pinguine schonmal tauchen gesehen hat weiss dass diese Tierchen sich pfeilschnell durch das Wasser bewegen können.

Nächster Halt war an einem Strand, an dem man jede Menge See-Elefanten sehen konnte:

Ähnlich wie bei den Pinguinen, war bei den See-Elefanten gerade Mittagspause angesagt:

Auch diese Tiere sind sehr beeindruckend. Ich wusste z.B. nicht dass sie bis zu 1600m(!) tief tauchen können um bis zu 3m große Kalmare aus der Tiefe zu fischen.

Und nochmal hatten wir ein Riesen-Glück und uns ist dieses Braunborsten-Gürteltier über den Weg gelaufen:

Total niedlich! Vom Verhalten her hat es uns sehr an die Wombats in Australien erinnert: Schnauze auf den Boden und schnüffeln, während einem der Rest der Welt ziemlich egal ist.

Im dem Naturschutzgebiet sind viele Guanakos unterwegs. Das ist eine Kamel-Art von dem die Lamas abstammen. Kurz vor Ende der Tour ist Ursel noch ein schöner Schnappschuss von drei Guanako-Kindern gelungen:

Sie können in dieser Halbwüste überleben indem sie Meerwasser trinken.

So sind wir reich beschenkt mit Eindrücken und Photos nach dieser Zehn-Stunden-Tour wieder am Hostel angekommen. Bei all diesen tollen Tieren in freier Wildbahn wird einem immer wieder auf’s Neue bewusst wie wichtig Naturschutzgebiete sind, damit sich auch noch kommende Generationen an dieser faszinierenden Vielfalt des Lebens freuen können.

Das geht:

  • Wale aus nächster Nähe beobachten können und sogar zu hören
  • Gürteltiere - was für abgefahrene Viecher!
  • Respektvoller Umgang mit den Tieren und ihnen Lebensraum lassen

Das geht nicht:

  • Kalte Füße (ist mir egal, Wanderschuhe - ich geh’ trotzdem in Flip-Flops!)
  • Immer drei Punkte bei “Das geht nicht” zu schreiben
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Zum Meer

von Achim

Vor zwei Tagen haben wir die Reise von El Bolsón in den Bergen nach Puerto Madryn am Meer angetreten. Nach einem überbewerteten Sandwich bei Jauja und zwei Stunden Verspätung ging es um 16:30 in El Bolsón los. Ich denke das kann man auf einer Strecke von fast 2000km gut verzeihen - der Bus kam aus Bueons Aires. Die Landschaft auf der Fahrt sah erstaunlich flach aus, als würden wir uns auf einer trockenen Hochebene bewegen:

Gegen 19:00 sind wir dann in dem Örtchen Esquel angekommen, welches dem Auge neue Eindrücke bot:

In unseren gut zwei Stunden Aufenthalt konnten wir kurz was Essen und es war sogar noch genug Luft für einen Besuch beim Barbier:

Dank des sympathischen jungen Herrens wäre das Unkraut im Gesicht dann auch mal wieder gejätet.

Anschließend ging’s mit dem Nachtbus nach Puerto Madryn. Erwartungsgemäß haben wir sehr schlecht geschlafen, weil wir ziemlich angespannt waren. Wir wollten nicht nochmal einen Rucksack verlieren. Nach einer sehr anstrengend Nacht mit wenig Schlaf und viel Gebet sind wir morgens dann an einem großen Brontosaurier vorbeigefahren:

Nicht schlecht.

Wir haben uns dann noch kurz vor einlaufen in den Zielbahnhof mit einem anderen Passagier aus den Vereinigten Staaten unterhalten. Ihm wurde auf einer Nachtfahrt mit dem Bus in Chile das Handgepäck gestohlen. Er hatte es zwischen seinen Beinen deponiert. Übel.

So sind wir als völlige Zombies mit blanken Nerven in Puerto Madryn angekommen. Als die Gepäckklappe des Busses aufging und beide Rucksäcke noch da waren, fiel uns ein Stein vom Herzen. Jetzt waren wir völlig glückliche Zombies.

Dann noch schnell Kaffee getrunken, Hostel gesucht und gleich für mehrere Tage gebucht. Jetzt ist erstmal runterkommen angesagt.

Das geht:

  • Wenn alle Sachen noch da sind
  • Ein super nettes Hostel, das einen drei Stunden früher einchecken lässt und dann auch noch ein Frühstück schenkt
  • Superzartes Rindfleisch aus örtlicher Haltung in der Pfanne

Das geht nicht:

  • Nachts über raue Pisten zu rattern - kennt jemand die Eissorte “Rocky Road”?
  • Die Luft im Nachtbus am Morgen danach
  • Straßenhunde, die total begeistert von der Idee sind, mit ihnen zu spielen: “Halt, Stop, ich will das nicht!”
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Lago Puelo

von Achim

Von El Bolson aus lässt sich der Parque Nacional Lago Puelo mit dem Bus erreichen. Beim Wechsel der Provinz Río Negro nach Chubut muss man allerdings umsteigen, vermutlich weil es verwaltungstechnisch einfacher ist. Die Bushaltestelle ist direkt am Eingang des Nationalparks und bis zum See sind es nur 15min zu Fuß:

Am See herrscht Partystimmung, wie bei uns am Baggersee - nur mit mehr Platz. Aber es wird ebenfalls fröhlich gegrillt und gebadet. Weil der Lago Puelo ein Gletschersee ist, allerdings nicht sonderlich lange.

Im Park gibt es ein paar Wanderwege, die meisten davon sind angenehm kurz. Einer davon geht durch ein Stück Wald mit seltenen Bäumen:

Da fühlt man sich so richtig wie im Urwald - und hat viel Schatten:

Man kann sich hier richtig gut Schlangen und große Reptilien vorstellen. Aber anscheinend sind diese hier nicht heimisch.

Zum Aussichtspunkt “Mirador del Lago” führt der Weg durch die brütende Sonne, die hinunterbrennt wie Feuer vom Himmel. Dafür wird man mit einem schönen Blick über den Lago Puelo belohnt:

Im Hintergrund immer noch schneebedeckte Gipfel.

Ein Stück weiter oben, wo der Rio Azul den See speist, blühen die Lupinen:

An einer Stelle mit weniger Strömung, badet ein junger Papa mit einer ganzen Horde Kinder im Schlepptau. Denen scheint das kalte Wasser nicht das geringste auszumachen. Kein Wunder, bei den Temperaturen.

Das geht:

  • Lokale, in denen man schon vor 21:00 was zu Essen bekommt.
  • Wegen europäischer Essgewohnheiten automatisch die Vorteile der Happy Hour (19:00 - 21:00) ausschöpfen
  • Kühler Wind an heißen Tagen

Das geht nicht:

  • Sich auf ein Restaurant mit Seeblick freuen und dann gibt’s doch nur ein Kiosk mit Kartoffelchips
  • Eine Horde Gänse, die den Tag um 5:00 mit lautem Geschrei einläutet
  • Nochmal Heuschnupfen bekommen - da muss ich dieses Jahr wohl zweimal durch
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